Warum nennt die Kirche den Papst den „Stellvertreter Christi“ und nicht einfach den „Stellvertreter Petri“?

Leserfrage:

Hallo, 

ich habe oft gehört, dass der Papst der ‚Stellvertreter Christi‘ auf Erden sei. Aber müsste er nicht eigentlich der ‚Stellvertreter Petri‘ sein, da er ja dessen Amt als Bischof von Rom übernimmt? Warum nennt die Kirche ihn nicht einfach den Nachfolger Petri, sondern den Stellvertreter Christi? Was ist der theologische Hintergrund dieser Bezeichnung?

Grüße

Stefano

 

Antwort:

Lieber Stefano,

Der Papst wird als Stellvertreter Christi bezeichnet – nicht als Stellvertreter Petri –, weil er in der Autorität Christi handelt, so wie einst Petrus selbst. Er ist Nachfolger Petri, insofern er das Amt fortführt, das Jesus Christus dem Apostel anvertraut hat:

 „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. [...] Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.“ (Mt 16,18–19)

„Weide meine Lämmer [...] weide meine Schafe.“ (Joh 21,15–17)

„Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder.“ (Lk 22,31–32)

Vor allem das letztgenannte Zitat verdeutlicht die Sonderstellung Petri gegenüber den anderen Aposteln: Ihm wird die Aufgabe übertragen, seine Brüder – also die übrigen Apostel – im Glauben zu stärken.                                   
Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt das Papstamt in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium folgendermaßen:

Damit aber der Episkopat selbst einer und ungeteilt sei, hat er den heiligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel gestellt und in ihm ein immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft eingesetzt (37). Diese Lehre über Einrichtung, Dauer, Gewalt und Sinn des dem Bischof von Rom zukommenden heiligen Primates sowie über dessen unfehlbares Lehramt legt die Heilige Synode abermals allen Gläubigen fest zu glauben vor. Das damals Begonnene fortführend, hat sie sich entschlossen, nun die Lehre von den Bischöfen, den Nachfolgern der Apostel, die mit dem Nachfolger Petri, dem Stellvertreter Christi (38) und sichtbaren Haupt der ganzen Kirche, zusammen das Haus des lebendigen Gottes leiten, vor allen zu bekennen und zu erklären." (LG 18).

und weiter heißt es:

Der Bischof von Rom hat nämlich kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche volle, höchste und universale Gewalt über die Kirche und kann sie immer frei ausüben." (LG 22).

Jesus hat Petrus – und damit auch seine Nachfolger – nicht deshalb als seinen Stellvertreter eingesetzt, weil er abwesend wäre, sondern um der Kirche einen sichtbaren Hirten zu geben, der seinen Willen auf Erden konkret und rechtlich umsetzt.
Meinerseits kann ich nur wärmstens empfehlen, stets unter dem Stellvertreter Christi zu bleiben – dem „immerwährenden und sichtbaren Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit“ –, damit wir uns von ihm im Glauben stärken lassen.

Gottes Segen!

Giuseppe                                                                                                                                                                                   

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